Zu Zeiten meines Studiums habe ich mal im Rahmen eines "Western"-Hauptseminars eine Hausarbeit verfasst, in der ich versucht habe, dem Winnetou-Touch auf die Spur zu kommen. Dem Besonderen an den Karl May-Verfilmungen der 1960er, dieses Märchenhafte, das irgendwo im Gut-Böse-Schema der Handlung, in der wilden Landschaft Kroatiens, im Übertragen der mythischen US-Geschichte auf deutsche Nachkriegs-Produktionsweisen etc. liegt. Habe vor allem entdeckt, dass dieses spezifische Flair alsbald verlorengegangen ist; einmal, weil der Karl-May-Film von seinen Kindern, den Italowestern aufgefressen wurde, aber auch, weil er sich in der schlichte Masse der Brice- und Barkerfilme selbst kannibalisiert habe.
In diesem Rahmen hatte ich damals wohl nicht alle, aber die meisten der May-Filme (wieder)gesehen; habe auch den einen oder anderen Roman gelesen (und befunden, dass auch die schlechteren Filme unterhaltsamer sind – aber das ist natürlich 'ne subjektive Sichtweise…) Insofern habe ich mich sehr gefreut, als Reiner Boller auf mich zugekommen ist mit seinem Vorschlag, eine Art Gesamtschau des deutschen Western herauszubringen...